Gastronomie  Inklusions-Betrieb am Delft schafft 14 Arbeitsplätze / Eröffnung ist für 1. April geplant

Gastronomie Inklusions-Betrieb am Delft schafft 14 Arbeitsplätze / Eröffnung ist für 1. April geplant

Am Delft in Emden entsteht auf 512 Quadratmetern ein neuer Inklusionsbetrieb: der „Leckerpott“.

Mit dem Restaurant-Café betritt die Arbeitsgemeinschaft für integrative Leistung in Ostfriesland wirtschaftliches Neuland – und geht ein hohes Risiko ein.

Emden - Im Erdgeschoss kreischt eine Säge, im zweiten Stock haben Handwerker für ihre Arbeit die Musikanlage aufgedreht. Ein wummernder Bass treibt zwei Maler an: Seit September wird das Gebäude neben der Emder Sparkasse am Delft kernsaniert. Bauherr ist das Sparkasse-Tochterunternehmen Emder Bau und Boden (EBB). Ausgelöst aber hat die Aktivität die Arbeitsgemeinschaft für integrative Leistung in Ostfriesland (Agilio). Sie möchte dort ein neues großes Restaurant-Café eröffnen – als Inklusionsbetrieb „Leckerpott“. Am 1. April soll es losgehen – „wenn alles glatt geht“, wie Dieter Peters sagt.

Peters ist Agilio-Geschäftsführer. Die Investition am Delft beziffert er ausweichend auf „mehrere Hunderttausend Euro“. Es sei das „mit Abstand größte“ wirtschaftliche Wagnis, das Agilio eingeht. Auf zwei Stockwerken plus Keller mit insgesamt 512 Quadratmetern entstehen im ersten Schritt 14 Arbeitsplätze.

Der Aufwand ist enorm: Um barrierefrei in die oberen Etagen kommen zu können, wird ein neuer Fahrstuhl eingebaut. Die Fassade ist auf den ersten Metern runderneuert und geklinkert worden. Später sollen in den oberen Stockwerken die weißen Fensterrahmen ersetzt werden. Wer im Restaurant sitzt, hat einen freien Blick auf das Wasser, auf Schiffe und das Rathaus.

Konzeptionell setzt Agilio sowohl auf hungrige Laufkundschaft und Restaurantgäste als auch Seminargruppen. Im Erdgeschoss, in dem die Fensterfront an schönen Tagen weit geöffnet werden soll, sind eine Art Kiosk und ein Stehimbiss geplant. Die Gastronomieflächen im Inneren sind flexibel und dienen tagsüber als Frühstücksraum, Café und Restaurant für den Mittagstisch. Abends könne das Lokal samt Catering gebucht werden. „Wir verzichten auf eine Abendkarte“, erläutert Peters.

Im Gegensatz zu den bisherigen Agilio-Projekten wie dem Café in den Pelzerhäusern und dem Hafenbistro, die als sozialer Zweckbetrieb geführt werde, wird das neue Restaurant-Café ein Inklusionsbetrieb werden. Die Hälfte der zunächst 14 Mitarbeiter sollen Angestellte sein, die es auf dem freien Arbeitsmarkt schwer hätten: Es sind Menschen mit Schwerbehinderungen, die zusätzlich ein „Vermittlungshemmnis“ haben, wie es im Bürokratendeutsch heißt. Peters nennt die drei Hauptgründe: „Langzeitarbeitslosigkeit, eine psychische Erkrankung oder ein hohes Alter.“ Das Land fördert den Betrieb laut Peters sowohl mit einem einmaligen Investitionszuschuss als auch mit einem fortlaufenden Lohnkostenzuschuss.

Damit der „Leckerpott“, wie geplant, am 1. April eröffnen kann, sollen in den nächsten Tagen und Wochen die Stellen ausgeschrieben und besetzt werden.


@ Ostfriesen Zeitung vom 08. Januar 2019, Bild: G. Päschel